Ein neuer Forschungsverbund für Berlin

Liebe Leserinnen und Leser,

Klimawandel, Ressourcenverbrauch, Digitalisierung, Migration, eine alternde Bevölkerung – Metropolen wie Berlin stehen vor dynamischen Herausforderungen. Was kann Berlin tun, um eine lebenswerte, solidarische, klimaneutrale und ressourcenleichte Stadt zu werden?

Fünf Nachhaltigkeitsinstitute haben sich im Forschungsverbund Ecornet Berlin zusammengeschlossen, um gemeinsam mit Akteuren der Stadtgesellschaft Weichenstellungen für den Weg Berlins hin zu einer sozialen und ökologischen Metropole zu erarbeiten. Hier stellen wir Ihnen unsere Projekte vor, die wir im Vorhaben „Wissen. Wandel. Berlin.“ mit Förderung durch den Regierenden Bürgermeister, Senatskanzlei – Wissenschaft und Forschung Berlin bearbeiten.

Was Mut macht: Berlin ist wendeerprobt. Als eine der dynamischsten und grünsten Städte Europas hat Berlin gute Voraussetzungen, die Herausforderungen zu meistern, aber die Zeit drängt...

Herzliche Grüße und guten Mut für die bevorstehende Zeit,

Ihr
Richard Harnisch
Wissenskommunikation Forschungsverbund Ecornet Berlin

Wie gelingt es, Strom, Wärme und Verkehr sozialverträglich zu dekarbonisieren? – Drei Projekte zur sozialen Klimawende

StromNachbarn

Photovoltaik, die Gewinnung von Strom aus Sonnenenergie, ist eine Schlüsseltechnologie für den Klimaschutz. Ihr Vorteil: Sie kann in kleinem Maßstab auf Dach- und Freiflächen eingesetzt werden. Dies ermöglicht soziale Teilhabe an dem Transformationsprozess Energiewende nicht nur für Immobilienbesitzerinnen und -besitzer, sondern auch und insbesondere für Mieterinnen und Mieter. Daher sind Solarenergie und Mieterstrom Schwerpunkte des Berliner Energie- und Klimaschutzprogramms. Gemeinsam mit Praxisakteuren arbeitet das Forschungsteam im Projekt StromNachbarn die bisherigen Erfahrungen bei der Umsetzung von Mieterstrom in Berlin heraus, skizziert technische Innovationspotenziale und identifiziert Optionen für die Weiterentwicklung des regulatorischen Rahmens.

Sozial-ökologische Wärmewende in Berlin

Etwa die Hälfte der CO2-Emissionen Berlins resultieren aus der Wärmeversorgung von Gebäuden. Den Wärmebedarf durch Gebäudesanierung zu reduzieren und auf erneuerbare Energien und Abwärme umzustellen, sind die zwei zentralen Bestandteile einer Wärmewende in Berlin. Aber wie kann das sozialverträglich gelingen? Und wie können einkommensschwache und von Energiearmut bedrohte Haushalte unterstützt werden? Das Projekt „Sozial-ökologische Wärmewende in Berlin“ zielt darauf ab, die bestehenden Debatten in Berlin durch wissenschaftliche Analysen zu bereichern, die in engem Austausch mit Praxisakteuren erarbeitet werden.

Wärmewende in öffentlichen Nichtwohngebäuden

Neben Wohngebäuden verbrauchen auch Büros, Krankenhäuser, Verwaltungsgebäude oder Schulen große Mengen an Wärmeenergie. Mit solchen Gebäuden befasst sich das Projekt „Wärmewende in öffentlichen Nichtwohngebäuden“. Es nimmt vor allem Schulgebäude und die Effekte der energetischen Sanierung im Rahmen der Berliner Schulbauoffensive unter die Lupe.
Nachhaltig Wirtschaften – Zwei Projekte mit dem Ziel, Berlin zu einem Leuchtturm für alternative Ökonomien und zirkuläre Geschäftsmodelle zu entwickeln

Circular City Berlin – Wege vom Potenzial zur Umsetzung

Unsere Wirtschaft ist in weiten Teilen auf Durchlauf statt auf Kreislauf ausgerichtet. Die Coronakrise hat gezeigt, wie fragil unser ausdifferenziertes und auf kurzfristige Effizienz ausgerichtetes Wirtschaftssystem ist. Ein Ausweg ist die Kreislaufwirtschaft. Insbesondere regionale Wirtschafts- und Ressourcenkreisläufe sind wichtig für die Zukunftsfähigkeit. Sie sind nachhaltiger, erhöhen die Widerstandsfähigkeit von Gesellschaften in Krisen und stärken soziale Gerechtigkeit und Inklusivität. Das Projekt „Circular City Berlin“ analysiert und fördert innovative Ansätze in unterschiedlichen Sektoren Berlins.

Alternative Wirtschaftsweisen in und für Berlin

Alternative Wirtschaftsweisen jenseits des Mainstreams gibt es bereits in der Praxis – sie finden in verschiedenen Ansätzen statt. Das Projekt untersucht das Potenzial von Konzepten und konkreten Praxisbeispielen einer alternativen Ökonomie für eine soziale und ökologische Entwicklung Berlins. Ziel ist es, Vorschläge zu entwickeln, wie die Potenziale stärker als bisher erschlossen werden können. Das Projekt baut auf der langen Tradition der Berliner Alternativwirtschaft und bestehen Aktivitäten des Berliner Senats auf, wie dem Projekt Social Innovation Capital Berlin. Das Projekt arbeitet mit einer Kerngruppe aus erfahrenen Expertinnen und Experten der Berliner Alternativökonomie zusammen.
Digitalisierung – Die Weichen für eine sozial-ökologische digitale Transformation in Berlin stellen

Datengovernance und -regulierung für ein nachhaltiges Berlin

Der Berliner Senat hat die Erarbeitung einer offiziellen Digitalisierungsstrategie initiiert. Hiermit stehen wichtige Weichenstellungen für die Regulierung und Nutzung von Daten an. Zunächst öffnen sich damit zukünftige kommunale Entwicklungspfade, die sich aber gegebenenfalls auch bald wieder schließen. Daher ist es jetzt wichtig, Weichenstellungen zu identifizieren, mit denen die digitale Transformation in Berlin nach Maßgabe von Ökologie, Teilhabe und nachhaltiger Entwicklung gestaltet werden kann – in Bereichen wie Mobilität und Verkehr, kommunale Infrastrukturen, Gesundheit oder regionales Wirtschaften. Das Projekt „Datengovernance und -regulierung für ein nachhaltiges Berlin“ untersucht, welche Formen der Datenregulierung auf Ebene der Stadt Berlin für datengetriebene Services, Produkte und Plattformen möglich und erforderlich sind.
Wer ist Ecornet Berlin?

Einzigartiger Zusammenschluss von unabhängigen Instituten der Nachhaltigkeitsforschung

Ecornet Berlin ist ein Forschungsverbund aus fünf Berliner Instituten der transdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung: Ecologic Institut, Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT), Öko-Institut und Unabhängiges Institut für Umweltfragen (UfU). Der in dieser Form einzigartige Zusammenschluss setzt Impulse für den Wandel Berlins hin zu einer sozialen und ökologischen Metropole. Der Verbund entstand aus langjähriger Kooperation im Ecological Research Network (Ecornet), einem Netzwerk aus acht unabhängigen, gemeinnützigen Instituten der Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung in Deutschland, das die Mission verfolgt, den gesellschaftlichen Wandel in Richtung Nachhaltigkeit mitzugestalten und wissenschaftlich zu fundieren.

Ansprechpersonen

Über 40 Mitarbeitende aus den fünf beteiligten Forschungsinstituten sind im Forschungsverbund Ecornet Berlin aktiv. Möchten Sie Näheres über unsere laufenden Forschungsvorhaben in Berlin erfahren? Nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf. Wir freuen uns über weitere Vernetzung in der Stadtgesellschaft.
Sprecherin und Sprecher des Verbunds sind Anke Herold, wissenschaftliche Geschäftsführerin des Öko-Instituts, und Thomas Korbun, wissenschaftlicher Geschäftsführer des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung.
Veranstaltungsrückblick

Der Forschungsverbund auf der Berlin Science Week

Vom 3.-9. November 2020 fand die Veranstaltungsreihe „Forschen für den Wandel: sozial-ökologische Perspektiven für Berlin“ auf der Berlin Science Week statt. In sechs interaktiven Online-Veranstaltungen haben wir Themen und Ansätze mit herausragender Bedeutung für die nachhaltige Stadtentwicklung Berlins mit über 250 Interessent/innen diskutiert.

Workshop zur Konzeption alternativen Wirtschaftens

Am Dienstag, den 1. Dezember 2020, lud das IÖW-Projektteam rund um Dr. Christian Lautermann ausgewählte Expertinnen und Experten der Berliner Alternativökonomie zu einem virtuellen Workshop. Ziel des Workshops war es, Raum zur Vernetzung zu bieten und gemeinsam erste Ergebnisse und Thesen des Forschungsprojekts zu diskutieren. Inhaltlich stand die Konzeption des Begriffs „Alternative Wirtschaftsweisen“ im Vordergrund, auch wurde über die optimale Vorgehensweise im bevorstehenden empirischen Teil des Forschungsprojekts beratschlagt. Der Austausch war lebendig und ein weiteres Treffen wurde gewünscht. Interesse an Austausch? Melden Sie sich bei uns!

Akteursperspektiven zum zirkulären Bauen

Am 25. November 2020 hielt Martin Hirschnitz-Garbers vom Ecologic Institut einen Vortrag zu Akteursperspektiven zum zirkulären Bauen in Berlin im Rahmen des Interregional online Workshop
on best practices for enforcement of the regulatory framework des EU-Interreg-Projekts „Construction & demolition waste management policies for improved resource efficiency“.