Newsletter des Forschungsverbunds Ecornet Berlin

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

auch der neue Senat, den Berlin im September wählt, wird vor einer Zwickmühle stehen: Einige Berliner*innen haben bereits jetzt Schwierigkeiten, eine bezahlbare Wohnung zu finden, manche können ihre Heizkosten oder ihre Stromrechnung kaum stemmen. Gleichzeitig erfordert der Klimaschutz ein atemberaubendes Tempo bei energetischen Sanierungen und beim Ausbau erneuerbarer Energien.

Der Forschungsverbund Ecornet Berlin untersucht, wie sich Klimaschutz sozial verträglich und im Interesse der Mieter*innen gestalten lässt. Vielversprechend sind etwa Mieterstromkonzepte und Fördermittel für energetische Sanierungen – obwohl die Rahmenbedingungen in beiden Fällen praxistauglicher werden müssen, wie unsere Expertengespräche zeigten, über die wir hier berichten.

Außerdem hören Sie im Audio-Mitschnitt unserer Wandelwecker-Diskussionen, welche Beratungsangebote und Hilfeleistungen in Berlin gegen Energiearmut notwendig sind und wie Berlins Klimaschutz neue Energie bekommen kann.

Mit sommerlichen Grüßen

Richard Harnisch
Wissenskommunikation Forschungsverbund Ecornet Berlin

Aktuelles aus unserer Forschung

Mieter*innen können von Energiewende profitieren – wenn die Rahmenbedingungen stimmen

Der Forschungsverbund Ecornet Berlin präsentierte auf den Berliner Energietagen, wie Mieter*innen von der Energiewende profitieren können. Insbesondere Haushalte mit geringem Einkommen, die oft durch Energiearmut gefährdet sind, profitieren, wenn Energiekosten sinken und Mietpreise stabil bleiben. In der Mieterstadt Berlin können allerdings durch die Aufhebung des Mietendeckels nun mehr Kosten auf Mieter*innen umgelegt werden. Damit die Energiewende für Mieter*innen mit geringen Einkommen und Haushalte, die Transferleistungen erhalten, nicht zu einer Belastung wird, sollte der Bund die Umlagen bei energetischen Sanierungen weiter begrenzen.

Mieterstrom x 100: Expert*innen diskutieren, wie beim Mieterstrom der Turbo eingeschaltet werden kann

Bis 2030 will Berlin 25 Prozent seiner Stromversorgung aus Solarenergie decken. Dafür muss sich der Solaranlagenbestand von Ende 2020 vervierunddreißigfachen. Wie kann das Ausbautempo drastisch beschleunigt werden? Diese Frage diskutierte das Projekt StromNachbarn mit Expertinnen und Experten aus Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.
Einig waren sich die Expert*innen, dass die Rahmenbedingungen grundlegender Änderungen bedürfen. So sind heute Mieterstromprojekte nur in einem kleinen Segment überhaupt wirtschaftlich. Außerdem stellen die administrativen Pflichten und das Messwesen mit den komplexen, kostenintensiven Anforderungen für die Betreiber große Hemmnisse dar. Ausführlich wurde erörtert, wie das Förderregime bestmöglich ausgestaltet werden kann.

Konferenz für Landkreise: Ecornet Berlin gibt Impulse für smarte, klimafreundliche Kommunen

Zukunftsaufgaben wie eine klimaneutrale Mobilität stehen im ländlichen Raum vor ganz anderen Vorzeichen als in dicht besiedelten Städten. Welche Lösungen die Digitalisierung anbietet, stand im Fokus der „Konferenz für Landkreise im Klimaschutz“: Wie können sich Landkreise digital und klimafreundlich aufstellen? Richtlinien für die Erhebung und Nutzung von Daten sind hierbei zentral, wie Kerstin Fritzsche vom Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) betonte. Fritzsche stellte Erkenntnisse aus dem Projekt „Datengovernance und -regulierung für ein nachhaltiges Berlin“ des Forschungsverbunds Ecornet Berlin vor. Fazit: Digitale Dienste bieten vielseitige Potenziale für den Klimaschutz auch in ländlichen Regionen, doch zunächst brauchen die Landkreise die notwendigen Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Digitalisierung.

Fachgespräch zu energetischer Sanierung: Berliner Vermieter*innen beklagen fehlende Unterstützung und geringe Akzeptanz

In Berlin stagnieren die Sanierungsraten auf geringem Niveau. Auch der Anteil erneuerbarer Energien in der Wärmeversorgung ist zu klein, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Was hindert Vermieter*innen daran, mehr und ehrgeiziger energetisch zu sanieren? Ein Fachgespräch von IÖW und Öko-Institut mit Praxisakteuren im Projekt „Sozial-ökologische Wärmewende in Berlin“ zeigte nun: Abschreckend wirken vor allem die voraussetzungsreichen Förderprogramme, der hohe Personal- und Kostenaufwand und die Skepsis der Mieter*innen. Die aktuellen Fördermittel für energetische Sanierungen sind zwar theoretisch hoch genug, um Mietsteigerungen zu verhindern, müssen aber schneller und leichter zugänglich werden.

Workshop „Alternativ wirtschaften“ – Expert*innen sehen sozial-ökologische Potenziale und Vorbildfunktion

Was bedeutet es, alternativ zu wirtschaften? Wie viel Potenzial für den sozial-ökologischen Wandel steckt darin und wie kann man das messen? Zu diesen Fragen versammelte das Projekt „Alternative Wirtschaftsweisen in und für Berlin“ wissenschaftliche Expert*innen aus dem Themenfeld der alternativen Ökonomie. Fazit der tiefgehenden Diskussion mit vielfältigen Perspektiven: Alternative Logiken für zentrale Konzepte wie Arbeit und Eigentum bergen sozial-ökologisches Potenzial.
Terminankündigung

25. August 2021 | Save the date | Wandelwecker Berlin: Zirkuläres Bauen – Ansätze und Akteure in Berlin

Klimaneutral, solidarisch, ressourcenleicht – wie kann Berlin Vorreiterin werden für den sozialen und ökologischen Wandel? In vielen Kiezen und Initiativen werden hierzu bereits Ideen umgesetzt. Noch mehr Impulse kommen jetzt von fünf Berliner Instituten im Forschungsverbund Ecornet Berlin.
Alle zwei Wochen klingelt der Wecker für den Wandel, immer mittwochs um halb neun – mit frischem Kopf am Morgen. Nächster Wandelwecker nach der Sommerpause:
Mittwoch, 25. August 2021, 8:30-9:30 Uhr +++ Zirkuläres Bauen – Ansätze und Akteure in Berlin
Wandelwecker Berlin aufs Ohr: Veranstaltungen online nachhören

Der Wandelwecker hat geklingelt: Neue Energie für den Klimaschutz in Berlin?

Die jüngsten Entscheidungen des Verfassungsgerichts und der Bundesregierung zur nationalen Klimagesetzgebung haben neuen Wind in die Klimadebatte gebracht. Aber was bedeutet das für Berlin? Sind die neuen Ziele auf die Hauptstadt übertragbar? Und welche Baustellen muss die Berliner Politik jetzt angehen, ohne dabei gerade die am schlechtesten gestellten Bewohner*innen der Stadt zu belasten?
Diese Fragen haben unsere Expert*innen Prof. Bernd Hirschl vom IÖW und Julia Epp, Vorstandmitglied des BUND Berlin, in der ersten Folge des Wandelweckers diskutiert und sich mit den Teilnehmenden ausgetauscht. Jetzt zum Nachlesen und Nachhören.

Wandelwecker Berlin Nr. 2 – Energiearmut trotz Klimawende: weiterhin großer Handlungsbedarf

Tausende Berlinerinnen und Berliner leiden unter Energiearmut. Sie schaffen es nicht, ihre Energierechnungen zu bezahlen und werden zeitweilig von den Versorgungsinfrastrukturen abgeklemmt. Unzählige mehr müssen starke Einschränkungen bei ihrem Energieverbrauch auf sich nehmen, um Kosten zu reduzieren. Die Energie- und Klimawende kann hier sowohl einen positiven als auch einen negativen Einfluss ausüben, je nachdem, wer die Transformationskosten zu schultern hat.
Dr. Katja Schumacher vom Öko-Institut und Elisabeth Grauel, Verbraucherzentrale Berlin, haben sich diesen Herausforderungen angenommen und mit den Teilnehmenden Ursachen und Lösungsansätze diskutiert. Jetzt zum Nachlesen und Nachhören.